Die Orthoptistin

Die Orthoptistin

orthoptistin_augenärztinBestimmte Augenerkrankungen werden nicht vom Augenarzt selbst behandelt, sondern von einer Fachkraft, die ihn in seiner Praxis tatkräftig unterstützt: der Orthoptistin. Das üblicherweise nur von Orthoptist*Innen gesprochen wird, liegt darin begründet, dass Frauen die deutliche Mehrheit in dieser Berufsgruppe ausmachen.

Das Wort Orthoptistin kommt aus dem Griechischen und setzt sich zusammen aus: ortho(s) = gerade und opsis = Sehen. Die Orthoptistin beschäftigte sich also ursprünglich vor allem mit Schielerkrankungen. Heute hat sich ihr Aufgabenspektrum allerdings stark erweitert.

Ihre Aufgabe besteht in der Prävention, der Diagnose und der Therapie von Schielerkrankungen (Strabismus), Sehschwächen (Amblyopie), Augenzittern (Nystagmus) und Augenbewegungsstörungen, sowie deren Folgen.

Weitere Aufgaben stellen sich der Orthoptistin in der Untersuchung und Rehabilitation von Sehbehinderten. Sie kümmert sich dementsprechend auch um die Betreuung und Rehabilitation von Patienten mit erworbenen Sehstörungen nach Schlaganfall, Unfall, Hirntumor oder anderen neurologischen Erkrankungen. Damit widmen sich Orthoptistinnen vor allem den betreuungsintensiven Krankheitsbildern im Bereich der Augenheilkunde.

Geschichte des Berufes in Deutschland

Nach dem 2. Weltkrieg wurden die Weiterentwicklung der Orthoptik und die Neuentwicklung der Pleoptik auch im deutschsprachigen Raum sichtbar. Bereits 1941 hat Prof. Bangerter die Pleoptikschule in St.Gallen gegründet.

Das erste deutsche Orthoptistinnen-Examen wurde 1960 unter dem Vorsitz von Prof. Curt Cüppers in Gießen abgenommen. Bald darauf wurden auch an den Universitäts-Augenkliniken in Bonn und Heidelberg Orthoptistinnen-Examen nach Bestimmungen der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) abgenommen. Das erste staatliche Examen wurde 1967 an der Universitäts-Augenklinik in Gießen abgehalten.

In den 60er Jahren wurden in Deutschland insgesamt 10 Schulen an Universitäts-Augenkliniken gegründet. Zurzeit besteht an 14 Schulen, die alle an Universitäts-Augenkliniken angegliedert sind, die Möglichkeit zur Ausbildung.

Der Berufsverband der Orthoptistinnen Deutschlands e.V. (BOD) wurde im Mai 1971 gegründet und hat mittlerweile über 2.000 Mitglieder. Seit 1973 ist der BOD Mitglied in der International Orthoptic Assosiation (IOA).

Insgesamt dauerte es 17 Jahre, bis ein Bundesgesetz die Ausbildung der Orthoptistin einheitlich für die Bundesrepublik regelte. Am 1. Januar 1990 trat das „Gesetz über den Beruf der Orthoptistin und des Orthoptisten und Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Orthoptistinnen und Orthoptisten“ in Kraft. Die Ausbildung und die staatliche Anerkennung sind seitdem bundeseinheitlich geregelt; die Berufsbezeichnung Orthoptist/ Orthoptistin ist seitdem gesetzlich geschützt.

Die Fachzeitschrift „Orthoptik und Pleoptik“ erschien das erste Mal in Oktober 1973.

Ausbildung der Orthoptistinnen

Orthoptist/in ist eine bundesweit einheitlich geregelte schulische Ausbildung an Berufsfachschulen für Orthoptik.

Voraussetzungen für den Zugang zur Ausbildung sind die gesundheitliche Eignung zur Ausübung des Berufes, der Realschulabschluss oder eine gleichwertige Ausbildung. Die Ausbildung dauert drei Jahre und wird mit der staatlichen Prüfung abgeschlossen.

Ausbildungsinhalte

Theoretischer und praktischer Unterricht:

• Orthoptik und Pleoptik
• Augenbewegungsstörungen
• Neuroophthalmologie
• Allgemeine Anatomie und Physiologie
• Spezielle Anatomie und Physiologie des Auges und seiner Umgebung
• Allgemeine Augenheilkunde (Ophthalmologie)
• Allgemeine Krankheitslehre, Kinderheilkunde
• Arzneimittel (Pharmakologie)
• Hygiene und Mikrobiologie
• Physik, Optik, Brillenlehre
• Berufs-, Gesetzes- und Staatsbürgerkunde

Praktische Ausbildung:

• Anamnese- und Befunderhebung, Dokumentation
• Therapieplanung und -durchführung
• Neuroophthalmologie (inkl. Perimetrie)
• Gesprächsführung und -beratung
• Anwendung und Pflege orthoptischer und pleoptischer Geräte
• Fotografie
• Betreuung von Sehbehinderten und Kontaktlinsenträgern

In Deutschland besteht die Möglichkeit zur Ausbildung an 14 Fachschulen für Orthoptik, die Universitäts-Augenkliniken angegliedert sind.

 

 

 

 

 

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Amblyopie-Admin