Früherkennung von Sehstörungen

Früherkennung von Sehstörungen

Seit langem schon fordern Augenärzte, dass eine Vorsorgeuntersuchung der Art eines Amblyopie-Screenings als allgemeine Kassenleistung anerkannt wird. Der wichtigste Grund dafür ist, dass nur das frühe Erkennen von Sehstörungen es möglich macht, diese noch effektiv zu behandeln. In späteren Lebensjahren wird die Behandlung z.B. einer Amblyopie zunehmend schwieriger oder gar unmöglich.

Keine Kassenleistung

Das macht entsprechende Früherkennungsmaßnahmen überaus sinnvoll. Doch eine derartige Vorsorgeleistung ist noch immer keine Leistung der Gesetzlichen Krankenkassen. Augenärzte empfehlen den Eltern daher häufig, die Kosten für eine solche Untersuchung – sie belaufen sich in der Regel zwischen ca. 30,- und 75,- Euro – ggf. aus eigener Tasche zu bezahlen, denn die Früherkennung sei zu wertvoll, um sie dem Zufall zu überlassen.

Regionale Vorsorgeinitiativen

Angesichts dieser Situation haben sich in Deutschland eine ganze Reihe regionaler Vorsorgeinitiativen gebildet, die einerseits für die Wichtigkeit des Themas sensibilisieren, andererseits aber auch eine Lücke in der medizinischen Vorsorge schließen möchten. Am Klinikum Kulmbach wird bspw. seit 2001 ein Amblyopie-Screening bereits im Säuglingsalter angeboten, deren Kosten durch Klinikum und Ärzte übernommen werden.

Frühvorsorge bundesweit

Doch von allen diesen Frühvorsorgemaßnahmen kann kaum eine ein bundesweites Engagement realisieren. Aber in Bayern haben Betriebskrankenkassen bspw. einen Vorstoß auf Länderebene gemacht und für ganz Bayern ein Amblyopie-Screening für Kinder zwischen dem 20. Und 27. Lebensmonat eingeführt. Dadurch kam das Thema zunehmend auch auf Bundesebene zur Diskussion.

Die U7a

So ist auch bei der inhaltlichen Gestaltung der vom Bund initiierten U1 bis U9 Vorsorgeuntersuchungen etwas in Bewegung geraten. Zusätzlich zu den 9 regulären Vorsorgeterminen wurde 2008 eine U7a eingeführt, in der nun auch das Sehen der Kinder zum Vorsorgegegenstand gemacht wird. Die U7a ist für Kinder im 34. bis 36. Lebensmonat bestimmt, um sozusagen zum Einstieg ins Kindergartenalter die körperliche und geistige Entwicklungen des Kindes genauer zu untersuchen. Bei der U7a wird u.a. auch das Hören und Sehen und die bisherige sprachliche Entwicklung betrachtet und bei festgestellten Defiziten werden weitere Therapie- und Fördermaßnahmen mit den Eltern besprochen.

Kein flächendeckendes Amblyopie-Screening

Obwohl die Einführung der U7a allgemein begrüßt wurde, kritisieren verschiedene Fachärztegruppen jedoch deren inhaltlichen Ablauf. Dass mit der U7a bspw. ein flächendeckendes Amblyopie-Screening in Deutschland Realität wird, gilt unter Augenärzten als unwahrscheinlich. Zwar wird es durch die U7a nun möglich, ein Seh-Screening durchzuführen, doch das Problem ist, dass dieses nur durch Kinder- und Hausärzte durchgeführt bzw. abgerechnet werden kann.

Erst Vorverdacht, dann Augenarzt

Zuerst prüfen Kinderärzte im Rahmen der U7a die Sehfähigkeit der Kinder. Erst bei einem entsprechenden Vorverdacht erfolgt durch den Kinderarzt die Überweisung zum Augenarzt, der nun auch einige Untersuchungen im Rahmen eines Amblyopie-Screenings auf Kosten der Gesetzlichen Krankenkassen durchführen kann. Doch Sehstörungen sind nicht immer offenkundig zu erkennen, zumal Kinder- und Hausarztpraxen meist nicht mit dem notwendigen Instrumentarium für effektive Seh-Untersuchungen ausgestattet sind. Eine zuverlässige Untersuchung wird damit unmöglich.

Niedrige Entdeckungsquote

Kann kein entsprechender Vorverdacht festgestellt werden, wird das Kind im Rahmen der U7a keinem Augenarzt vorgestellt. Die Entdeckungsquote im Rahmen der gesetzlich geregelten Vorsorgeuntersuchungen fällt damit dementsprechend niedrig aus für dieses Kindesalter, wo eine Behandlung der Amblyopie noch die besten Erfolgsaussichten hätte. Bereits nach dem 6. Lebensmonat, nach Abschluss der Phase des Babyschielens, macht eine Vorstellung des Kindes beim Augenarzt durchaus Sinn.

Das richtige Signal

Nichtsdestotrotz wurde mit der U7a das richtige Signal gesetzt. Die inhaltliche Gestaltung kann nun zunehmend verbessert werden. So werden z.B. neue Strukturverträge mit den Krankenkassen diskutiert, damit Augenärzte mehr in die Vorsorgeuntersuchungen einbezogen werden können. Somit könnte der Vorsorgeauftrag von Kinder- und Augenärzten besser gemeinsam umgesetzt werden.

Eltern-Engagement

Doch die geschilderten Umstände zeigen auch, dass das entscheidende Engagement immer noch bei den Eltern selbst liegt. Eltern sind in der Regel sensibel für die frühkindliche Entwicklung ihres Kindes und können ggf. selbst für eine Durchführung eines Amblyopie-Screenings bei ihrem Kind sorgen.

Eine Informationsbroschüre der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zur U7a finden Sie hier.

 

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Amblyopie-Admin